Keine Sorge, ich werde Sie nicht mit komplizierter Biochemie und Erklärungen langweilen. Vielmehr möchte ich mit einigen Mythen rund um das Thema aufräumen.
Mythos Nummer 1: Starke Regelschmerzen gehören dazu, da muss man halt durch. Diesen Satz höre ich oft von meinen Patientinnen. Aber die Regel darf nicht so schmerzhaft sein, dass Sie jedesmal über mehrere Tage hinweg Ihren Alltag nur mit Hilfe von Schmerzmitteln bewältigen können. Wenn Sie die Menstruation mit Wärmeflasche, Entspannungsöl und gelegentlicher Schmerzmittelgabe gut in den Griff bekommen, ist das völlig in Ordnung und es handelt sich meistens um keine Endometriose. Denn bei einem schweren Verlauf kommt man mit dieser Therapie meist nicht aus.
Da sind wir schon bei Mythos Nummer 2: Frauen werden wegen ihren monatlichen Beschwerden als Mimosen belächelt und von ihrem Umfeld nicht immer ernst genommen. Das Problem beginnt leider oft bei den Betroffenen selbst, weil sie sich als „schmerzempfindlicher“ wahrnehmen. Endometriose ist eine schwere Erkrankung, auch wenn sich das andere nicht vorstellen können. Starke Menstruationsbeschwerden gehören definitiv nicht zum Frauenleben dazu! Grundsätzlich gilt daher dasselbe wie bei anderen schweren Erkrankungen: Es braucht eine Diagnose und eine Therapie! Für die Diagnose reicht oft eine Ultraschalluntersuchung aus. Spezielle Tests, die beispielsweise Menstruationsblut auf Endometriose screenen können, sind zwar in Entwicklung, aber noch nicht am Markt. Auch Blutanalysen helfen derzeit nicht in der Diagnostik. Bevor wir die Therapiemöglichkeiten besprechen, ist es wichtig zu verstehen, wie Hormone auf die Endometriosezellen wirken. Das Wichtigste zu Beginn: Hormone sind besser als ihr Ruf! Hormone sind die geheimen Helden! Prinzipiell regeln Sexualhormone den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) in der ersten Zyklushälfte und deren Abbluten vor der Menstruation. Deswegen reagieren auch die Endometrioseherde, die, wie wir bereits gehört haben, im Körper verstreut sein können, auf diese Hormone. Östrogen befeuert die Zellen und sie wachsen zu größeren Herden heran. Das bedeutet Schmerzen, die bei jeder Blutung zunehmen werden. Glücklicherweise gibt es auch einen guten Gegenspieler, nämlich das Progesteron. Die Entzündung wird gehemmt und das Hormon wirkt schmerzlindernd. Bei der Endometriose kommt es zu einem hormonellen Ungleichgewicht und das körpereigene Östrogen verstärkt und befeuert die Endometriose noch zusätzlich.
Das führt uns zu Mythos Nummer 3: Die Einnahme von Hormonen ist schlecht. Bei einer Endometriose ist die Einnahme z.B. der Pille oder das Einsetzen der Hormonspirale eine wirkungsvolle Maßnahme, um die monatlichen Schmerzen zu reduzieren und die Herde zu verkleinern. Das ist sehr sinnvoll, da eine unbehandelte Endometriose unwiederbringlich zur Zerstörung von Eileitern, Eierstöcken und Harnleitern führen kann. Weiters kann es dadurch zu Unfruchtbarkeit kommen und häufig werden später aufwendige Operationen notwendig.
Aber wieso hilft dann die Einnahmen von Hormonen?
Die oberste Zentrale für unsere Sexualhormone ist der Hypothalamus, eine Gehirnregion, die der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) den Befehl gibt, FSH und LH in einem bestimmten Takt abzugeben. Dadurch weiß der Eierstock, dass Östrogen bereitzustellen ist, und wir wissen, was das Östrogen bei unseren Endometriosezellen anrichtet. Die Pille oder auch andere Hormonpräparate geben der Hypophyse die Information, dass schon genügend Östrogen produziert wurde, diese drosselt dann die weitere Produktion der körpereigenen Hormone. Die Zellen werden nicht zusätzlich befeuert und die Beschwerden werden deutlich weniger oder klingen ganz ab. Das funktioniert natürlich umso besser, je früher mit einer Therapie begonnen wird. Entschließt frau sich zu einem späteren Zeitpunkt für Nachwuchs, kann sie die Pille absetzen oder die Spirale entfernen lassen. Dann setzt die normale Hormonproduktion wieder ein und, da die Herde kleiner geworden sind, steigen die Chancen für eine Schwangerschaft. Manchmal kommen wir mit einfachen Mitteln gut durchs Leben, aber manchmal braucht es ein Mehr an Unterstützung, um wieder zu einer guten Lebensqualität zurückzufinden.